Was ist Übergangsmilch?

In den ersten Lebenswochen deines Babys verändert sich die Zusammensetzung deiner Muttermilch erheblich. Entdecke die außergewöhnlichen Eigenschaften dieser Übergangsmilch

Transitional milk for baby

Mit einem Neugeborenen ist kein Tag wie der andere – und das Gleiche gilt für deine Muttermilch. Mit dem Milcheinschuss können deine Brüste auf eine Größe anwachsen, die du dir zuvor niemals hättest vorstellen können, und auch innerlich verändern sie sich. In der ersten Woche passen sich die milchbildenden Zellen und die Art, wie sie miteinander verbunden sind, an die folgende Stillzeit an.1 Von da an bis ungefähr zwei Wochen nach der Geburt wird die Milch, die sie produzieren, Übergangsmilch genannt.2

„Mit dem Ausstoß der Plazenta fällt der Spiegel des Schwangerschaftshormons Progesteron bei der Mutter rasant ab“, erklärt Professor Peter Hartmann, ein führender Experte auf dem Gebiet der Zusammensetzung von Muttermilch an der University of Western Australia. „Wenn der Progesteronspiegel sinkt, erhöht sich die Milchsynthese und es entwickelt sich eine ‚normalere‘ Zusammensetzung der Muttermilch, obwohl es noch ein paar Wochen dauert, bis sie reif ist.“

Phasen der Muttermilch: Eine Übergangsphase

Wenn Kolostrum die Anfangsnahrung deines Babys ist und reife Milch die langfristige Nahrung, dann bildet Übergangsmilch die Brücke zwischen den beiden.

Es sind also eher drei verschiedene Phasen von Muttermilch, nicht etwa drei unterschiedliche Arten. Die grundlegenden Inhaltsstoffe bleiben während deiner gesamten Stillzeit gleich, aber ihr jeweiliger Anteil variiert abhängig von den Umständen. Während dieser Übergangsphase verändern sie sich am meisten, sogar täglich, genauso, wie sich die Bedürfnisse deines Babys in dieser Zeit ändern. 

Deine Milch verändert sich, weil sie viele bioaktive Inhaltsstoffe wie Zellen, Hormone und nützliche Bakterien enthält. Dabei gibt es keinen einfachen Umstellungszeitpunkt, nach dem dann deine reife Milch „übernimmt“. Stattdessen sind die Veränderungen kontinuierlich fein abgestimmt, um die Anforderungen der Entwicklung deines Babys zu erfüllen.3,4

„Einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung der Milch hat die Milchproduktion der Mutter“, erklärt Professor Hartmann. „Wenn die produzierte Menge sehr niedrig ist, hat die Muttermilch eine andere Zusammensetzung, als wenn diese Menge ansteigt.“

Übergangsmilch: Die Menge steigt

Wenn dein Baby wächst, braucht es bald mehr Nahrung und ein anderes Nährstoffgleichgewicht. Die Menge der Milch, die du in diesem Zeitraum produzierst, steigt ebenfalls stark an: Du bildest erstaunliche 600 oder 700 ml in 24 Stunden5 – verglichen mit der geringen Menge Kolostrum, die du zu Beginn gebildet hast.

„Die Inhaltsstoffe der Milch jeder Spezies sind genau auf die Bedürfnisse ihrer Nachkommen zugeschnitten“

Deine Brüste befinden sich nun im „Produktion aufbauen“- Modus und lernen, wie viel Milch dein Baby braucht. Sie entwickeln sich weiter, genau wie deine Milch. Im Vergleich zum Kolostrum befindet sich in der Übergangsmilch mehr Fett sowie mehr Laktose, ein natürlicher Zucker, der deinem Baby Energie gibt.2

„Die Laktosewerte steigen zwei oder drei Tage, nachdem dein Baby geboren wurde, abrupt an“, erklärt Professor Hartmann. „Auch die Fettzusammensetzung der Milch ändert sich, und sie enthält einen größeren Anteil an den mittelkettigen Fettsäuren C10 und C12. Abgesehen davon, dass sie eine schnell verstoffwechselbare Energiequelle sind, sollen sie auch eine antivirale Wirkung haben. Außerdem sinken die Natrium- und Chloridwerte zu diesem Zeitpunkt sehr stark ab, sodass die Milch einen sehr niedrigen Salzgehalt hat.“

Protein: Die richtige Balance finden

Der Proteingehalt deiner Muttermilch verändert sich ebenfalls. In menschlicher Muttermilch gibt es zwei Klassen von Proteinen: Kasein und Molke. Kasein wird fest (Käsebruch), wenn es mit der Säure im Magen deines Babys in Kontakt kommt, wodurch sich dein Baby länger satt fühlt. Es hat außerdem antimikrobielle Eigenschaften. Molke enthält viele Antikörper und bleibt flüssig, damit es leichter zu verdauen ist – das ist besonders wichtig für Neugeborene. Während der Darm deines Babys in der Übergangsphase immer widerstandsfähiger wird, ändert sich das Verhältnis von Molke und Kasein in deiner Milch: von ungefähr 90:10 im Kolostrum auf 60:40 nach einem Monat (und 50:50, wenn du ein Jahr stillst).6

Dieses Gleichgewicht der Proteine ist die ideale Mischung für Menschen, da unser Körper relativ langsam wächst, während unser Gehirn größer und komplexer wird. Sie liefert zudem alle Aminosäuren, die dein Baby braucht, damit sein Gehirn, seine Augen und andere Organe normal funktionieren.

Der Anteil des Molkenproteins in Muttermilch ist deutlich höher als in der Milch anderer Säugetiere. In Kuhmilch ist der Anteil von Molke und Kasein genau andersherum: 20:80 (das ist auch der Grund, weshalb sie für Babys unter einem Jahr nicht geeignet ist).7

„Milch ist zweckgebunden“, erklärt Professor Hartmann. „Obwohl es bestimmte Inhaltsstoffe in der Milch jeder Spezies gibt – Proteine und Fette zum Beispiel – ist immer klar, von welchem Tier die Milch kommt, wenn man sich die Protein- und Fettarten genauer ansieht. Die Inhaltsstoffe der Milch jeder Spezies sind genau auf die Bedürfnisse ihrer Nachkommen zugeschnitten.“

Die Schutzleistung der Übergangsmilch verändert sich

Obwohl dein Baby noch sehr klein ist, entwickelt es bereits in den ersten paar Wochen sein eigenes Immunsystem und braucht weniger unmittelbaren Schutz durch dich.

Das spiegelt sich auch in der sich verändernden Konzentration schützender Enzyme und Antikörper in deiner Milch wider. Manche, darunter Lactoferrin (ein schützendes Enzym) und sIgA (ein Antikörper) gehen zurück, während andere ansteigen, wie das bakterienabtötende Enzym Lysozym.8

„Der Proteingehalt der Milch sinkt zu diesem Zeitpunkt ebenfalls“, so Professor Hartmann. „Die schützenden Proteine werden in der gleichen Menge synthetisiert, aber sie werden durch die größere Milchmenge verwässert.“

Die Konzentrationen der Mineralstoffe Zink, Kupfer und Mangan – die alle das Immunsystem deines Babys unterstützen – sinken ebenfalls, wenn sich seine Immunität verbessert.9

Wann Muttermilch vollständig reif wird

In der Übergangsphase passt sich die Zusammensetzung deiner Muttermilch auf unglaubliche Weise an. Zum Ende des ersten Monats wird deine Milch dann vollständig reif. Das heißt, dass sie für dein Baby geeignet ist, während es älter wird. Ihre Zusammensetzung wird sich nicht mehr so stark ändern, egal ob du noch ein paar Monate, ein Jahr oder noch viel länger stillen möchtest ...

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Literaturhinweise