6 Stillprobleme in der ersten Woche – und ihre Lösungen

Hast du Probleme beim Stillen deines Neugeborenen? In unseren Expertentipps erfährst du Lösungen für die häufigsten Stillprobleme in der ersten Woche.

Medela breastfeeding problems first month solved
Medela expert Cathy Garbin
Cathy Garbin, child health nurse, midwife and lactation consultant:
Cathy war sieben Jahre lang Forschungsmitarbeiterin in der renommierten Hartmann Human Lactation Research Group und unterstützte stillende Mütter zu Hause und im Krankenhaus. Die zweifache Mutter arbeitet nach wie vor mit Familien. Außerdem organisiert sie Studientage für medizinisches Fachpersonal und ist Referentin auf internationalen Konferenzen.

Stillen ist nicht immer einfach, und wenn du Schwierigkeiten hast, bist du in guter Gesellschaft. Eine Studie aus den USA an über 500 Müttern ergab, dass am dritten Tag 92 % über Stillschwierigkeiten berichteten.1 Glücklicherweise können viele anfängliche Stillprobleme ganz einfach behoben werden – hier findest du meine Lösungsansätze für die häufigsten Herausforderungen, die Müttern in der ersten Woche begegnen.

Herausforderung 1: Stillen tut weh!

Schmerzen beim Stillen werden meistens durch wunde, empfindliche Brustwarzen verursacht, insbesondere, wenn deine Milch rund zwei bis vier Tage nach der Geburt „einschießt“. 2 Dein Baby wird alle paar Stunden gestillt werden wollen, wodurch sich das Problem schnell verschlimmern kann. Einige Mütter berichten über rissige oder blutende Brustwarzen oder Blasen an den Brustwarzen. Autsch!

Lösungen 3

  • Überprüfe, wie dein Baby deine Brustwarze erfasst. Die wahrscheinlichste Ursache für Schmerzen beim Stillen besteht darin, dass dein Baby die Brustwarze nicht richtig erfasst. Dein Neugeborenes sollte beim Stillen einen Großteil des unteren Brustwarzenhofs (der dunkle Hautbereich um deine Brustwarze herum) in den Mund nehmen, wobei deine Brustwarze seinen Gaumen berührt und von seiner Zunge von unten sanft umschlossen wird.
  • Wende dich an einen Arzt, eine Hebamme oder an eine Stillberaterin, um sicherzustellen, dass der Mund und der Körper deines Babys richtig positioniert sind und dass es keine anderen Probleme beim Anlegen gibt. Sie können auch den Mundinnenraum deines Babys untersuchen, um festzustellen, ob ein organisches Problem vorliegt.
  • Probiere unterschiedliche Stillpositionen aus. In zurückgelehnter, Kreuz-, Rücken- („Footballhaltung“) oder liegender Haltung werden die am stärksten schmerzenden Bereiche deiner Brust möglicherweise entlastet.
  • Wische wunde Brustwarzen nach dem Stillen vorsichtig mit mehreren mit Wasser befeuchteten Wattebäuschen ab, um jegliche Rückstände zu entfernen, die eine Infektion hervorrufen könnten.
  • Lass deine Brustwarzen an der Luft trocknen oder tupfe sie mit einem sehr sauberen, weichen Mull- oder Flanelltuch ab, da Infektionen unter feuchten Bedingungen begünstigt werden. Verwende entweder Einweg- oder waschbare Stilleinlagen, um auslaufende Muttermilch aufzusaugen, und denk daran, sie regelmäßig zu wechseln.
  • Pflege deine Brustwarzen. Du kannst wunde und trockene Haut mit Creme aus reinstem Lanolin pflegen oder sie mit ein paar Tropfen deiner Muttermilch betupfen – beides muss vor dem nächsten Stillen nicht abgewaschen werden. Du könntest auch probieren, Hydrogel-Pads direkt aus dem Kühlschrank aufzulegen. Diese Brustwarzenauflagen kühlen, sorgen für sofortige Schmerzlinderung bei wunden Brustwarzen und schaffen außerdem ideale Heilungsbedingungen.
  • Schütze deine Brustwarzen. Ein Brustwarzenschutz verhindert, dass Kleidung an den wunden Bereichen reibt.
  • Habe Geduld. Wunde Brustwarzen beruhigen sich für gewöhnlich nach ein paar Tagen, wenn sich dein Körper ans Stillen gewöhnt hat und dein Baby effizienter saugt.
  • Wende dich an eine medizinische Fachperson, eine Hebamme oder eine Stillberaterin, wenn die Schmerzen beim Stillen auch nach ein paar Tagen weiter anhalten. Dauerhaft wunde Brustwarzen können auf eine Infektion hinweisen, die medikamentös behandelt werden muss.

Herausforderung 2: Mein Baby erfasst die Brustwarze nicht richtig

Einige Neugeborene haben Schwierigkeiten, die Brustwarze richtig zu erfassen – vielleicht, weil ihr beide etwas mehr Zeit braucht, um euch beim Stillen aufeinander abzustimmen, oder weil dein Baby zu früh geboren wurde oder es sich noch von einer schwierigen Geburt erholen muss oder weil du möglicherweise Flach- oder Hohlwarzen hast.

Lösungen

  • Hole dir Hilfe von einem Arzt, einer Hebamme oder einer Stillberaterin, die die Ursache des Problems diagnostizieren und einen Plan erarbeiten kann, um dir dabei zu helfen, es zu überwinden.
  • Versuche, deine Flach- oder Hohlwarzen hervorzuholen. Brustwarzenformer lassen sich komfortabel in deinen BH einsetzen und üben leichten Druck aus, um deine Brustwarzen hervorzuholen und euch das Stillen zu erleichtern.
  • Versuche unterschiedliche Stillpositionen, um deinem Neugeborenen das Stillen zu erleichtern. Es muss sich geborgen und wohl fühlen und frei atmen können, um gut trinken zu können. Stelle sicher, dass du beim Stillen sein Köpfchen nicht zu fest hältst oder womöglich Druck ausübst. Eine entspannte und vom Baby selbst gewählte Stillposition animiert dein Baby, seinen natürlichen Reflexen zu folgen. So kann es deine Brust leichter erreichen, um die Brustwarze zu erfassen.4
  • Nimm während des Stillens nur minimale Änderungen vor. Anstatt dein Baby von der Brust abzunehmen und es wieder anzulegen, was zu Frustration auf beiden Seiten führt, sorge dafür, dass es richtig und bequem liegt. Halte es so, dass sein Körper und sein Po eng an dir anliegen, stütze seinen Schultergürtel und halte es fest im Arm, damit es sich geborgen fühlt.  Lass sein Köpfchen auf deinem Handgelenk ruhen, sodass es sich leicht nach hinten neigen kann und seine Nase mehr Raum zum Atmen hat. Sein Kinn sollte nah an deiner Brust liegen. Wenn kleine Veränderungen keine Verbesserungen bringen und sich dein Baby immer noch unwohl fühlt, bitte einen Arzt, eine Hebamme oder eine Stillberaterin um Unterstützung.
  • Stille mit Brusthütchen. Wenn dein Baby die Brustwarze nicht erfassen kann, empfiehlt dir ein Arzt, eine Hebamme oder eine Stillberaterin möglicherweise, Brusthütchen zu verwenden, um deinem Baby einen größeren und festeren Ansetzpunkt zu bieten. Im Allgemeinen sollten Brusthütchen aber nur vorübergehend eingesetzt werden.

Herausforderung 3: Ich habe nicht genug Muttermilch

Am Anfang wirst du nur kleine Mengen Muttermilch produzieren, da die hormonellen Veränderungen, die die Milchbildung auslösen, langsam erfolgen und erst rund um Tag zwei bis vier abgeschlossen sind.2 Möglicherweise sorgst du dich deshalb, dass dein Baby nicht genügend Milch erhält, doch da sein Magen anfangs noch sehr klein ist und es häufig trinkt, ist das kein Problem. In den ersten Tagen musst du dir nur dann Gedanken machen, wenn dein Baby mehr Gewicht verliert als erwartet und zu wenig nasse und schmutzige Windeln produziert oder es Anzeichen von Dehydrierung zeigt. Eine vollständige Übersicht darüber, wie viele nasse und schmutzige Windeln dein Neugeborenes produzieren sollte, findest du in unserem Artikel So stillst du dein Neugeborenes: Was dich in der ersten Woche erwartet.

Lösungen

  • Hole dir Hilfe bei einer Stillberaterin, einer Hebamme oder einer medizinischen Fachperson, die beurteilen kann, ob deine Milchproduktion ausreicht. Je früher du dir Hilfe holst, desto besser.
  • Stille nach Bedarf, nicht nach Plan. In der ersten Woche nach der Geburt wird dein Neugeborenes tagsüber und nachts mindestens alle zwei bis drei Stunden (manchmal noch häufiger!) gestillt werden wollen. Diese Häufigkeit trägt zum Aufbau deiner Milchproduktion bei.
  • Schau auch auf dich selbst Mit einem Neugeborenen ist das leichter gesagt als getan, aber versuche, dich auszuruhen, wenn es geht, ernähre dich gesund und lass dir so viel wie möglich im Haushalt und mit älteren Geschwisterkindern helfen, damit du dich ganz auf das Stillen konzentrieren kannst.
  • Versuche, abzupumpen. Wenn dein Baby häufig stillt und nicht an Gewicht zunimmt, empfiehlt dir ein Arzt, eine Hebamme oder eine Stillberaterin möglicherweise, abzupumpen, um deine Milchproduktion zu erhöhen. Falls deine Milch noch nicht eingeschossen ist: Die elektrische, doppelseitige  Klinikpumpe Medela Symphony verfügt über ein „Initiierungsprogramm“ ( das INITIAL-Programm), das den Saugrhythmus von Neugeborenen in den ersten Tagen nachahmt.

Herausforderung 4: Meine Brüste sind sehr voll und hart

Sobald der Milcheinschuss erfolgt, werden deine Brüste voller und fester. Wenn dein Baby gut und häufig stillt, sollte diese Phase problemlos ablaufen. Bei einigen Frauen werden die Brüste jedoch steinhart, empfindlich, fühlen sich unangenehm an oder schmerzen sogar – ein Zustand, der als Brustdrüsenschwellung bezeichnet wird. Geschwollene Brüste können sich aufgrund all der Prozesse, die in ihnen stattfinden, auch sehr heiß anfühlen – was da passiert kommt einem Verkehrsstau gleich! Obwohl Brustdrüsenschwellungen meist nur 24 bis 48 Stunden lang andauern, kann dein Baby währenddessen Schwierigkeiten haben, die Brustwarzen zu erfassen, da sie möglicherweise flacher sind.5

Lösungen

  • Stille dein Baby häufig. Versuche, in 24 Stunden mindestens acht bis 12 Mal zu stillen. Das ist die Behandlung erster Wahl bei einer Brustdrüsenschwellung – weitere Tipps und Ratschläge findest du in unserem Artikel über Brustdrüsenschwellungen.6,7
  • Wenn die Symptome länger als 48 Stunden anhalten, du Fieber bekommst oder dein Baby aufgrund der Brustdrüsenschwellung nicht trinken kann, wende dich an eine medizinische Fachperson, eine Stillberaterin oder an eine Hebamme.

Herausforderung 5: Meine Milch läuft aus

Es kommt sehr häufig vor, dass in den ersten Tagen der Stillzeit, nachdem die Milch eingeschossen ist, Milch aus den Brüsten ausläuft. Es kann sein, dass die eine Brust „mitläuft“, während dein Baby an der anderen Brust stillt, wenn du beim Schlafen auf dem Bauch liegst oder wenn etwas unerwartet dein Milchspendereflex stimuliert wird –  zum Beispiel wenn im Supermarkt ein anderes Baby schreit. Das Auslaufen von Milch gibt sich in der Regel nach rund sechs Wochen.

Lösungen

  • Schütze deine Kleidung, indem du tags wie nachts Einweg- oder waschbare Stilleinlagen in deinen BH legst.
  • Vergeude keinen Tropfen! Milchauffangschalen lassen sich in deinen BH einsetzen, sodass du die auslaufende Milch auffangen kannst. Sie sind hilfreich, wenn die auslaufende Milch aufgrund der Menge nicht ganz von Stilleinlagen aufgefangen werden kann oder wenn eine Brust tropft, während du dein Baby an der anderen Brust stillst. Wenn du die aufgefangene Milch aufbewahren möchtest, kannst du das tun, aber verwende nur die Milch, die du während einer Stillmahlzeit aufgefangen hast. Bewahre sie in einem sauberen, desinfizierten Behälter auf und wenn du sie deinem Baby nicht sofort füttern möchtest, stelle sie sofort in den Kühlschrank und brauche sie innerhalb von 24 Stunden auf. Trage die Milchauffangschalen nicht länger als zwei bis drei Stunden am Stück.

Herausforderung 6: Ich glaube, dass ich zu viel Milch bilde

Der Milcheinschuss heißt nicht umsonst so! Möglicherweise hast du in den ersten paar Wochen zu viel Milch, doch das sollte sich schon bald geben.7 Bis dahin schmerzen deine Brüste vielleicht und sind die meiste Zeit über hart, sogar direkt im Anschluss an eine Stillmahlzeit, und eventuell läuft sehr viel Milch aus. Es kann sein, dass dein Baby aufgrund deines starken Milchspendereflexes hustet und spuckt, dass es sich, sobald du es nach dem Stillen bewegst, übergibt, dass es Bauchweh hat oder explosionsartigen, schaumigen, grünlichen Stuhlgang. All das weist darauf hin, dass du möglicherweise zu viel Milch bildest, doch dieses Problem gibt sich meist von selbst, sobald sich deine Brüste an ihre neue Aufgabe gewöhnt haben.

Lösungen

  • Streiche vor jeder Stillmahlzeit etwas Milch von Hand aus, um deinen starken Milchspendereflex etwas abzumildern.
  • Probiere die zurückgelehnte Stillposition aus, sodass dein Baby den Milchfluss besser kontrollieren kann. Oder stille in der Wiegehaltung: Dabei stützt du die Schultern deines Babys und sorgst dafür, dass sein Kopf leicht nach hinten kippt und auf deinem Handgelenk ruht. Sein Körper liegt dabei diagonal auf deinem.
  • Sei behutsam und geduldig. Gib deinem Baby die Möglichkeit, sich auszuruhen und seine Milch zu verdauen, sowohl während als auch nach einer Stillmahlzeit. Übermäßige oder zu schnelle Bewegungen könnten bei ihm Übelkeit verursachen. Je größer es wird, desto besser wird es mit dem Milchfluss umgehen können, der in der Regel mit der Zeit langsamer wird.
  • Verwende ein Handtuch oder ein Mulltuch, um die überschüssige Milch aufzuwischen, wenn dein Baby den starken Milchfluss nicht aufnehmen kann, und setze eine Milchauffangschale auf die andere Brust, um auslaufende Milch aufzufangen.
  • Frage einen Arzt, eine Hebamme oder eine Stillberaterin um Rat, wenn du nach ein paar Wochen immer noch Schwierigkeiten haben solltest. Sie werden sich eure Situation ansehen und dir möglicherweise einseitiges Stillen oder Blockstillen vorschlagen, um deine Milchproduktion zu reduzieren.

Weiterlesen: Stillprobleme im ersten Monat und Stillprobleme nach einem Monat

Literaturhinweise

1 Wagner EA et al. Breastfeeding concerns at 3 and 7 days postpartum and feeding status at 2 months. Pediatrics. 2013:peds-2013.

2 Pang WW, Hartmann PE. Initiation of human lactation: secretory differentiation and secretory activation. J Mammary Gland Biol Neoplasia. 2007;12(4):211-221.

3 Cadwell K. Latching‐On and Suckling of the Healthy Term Neonate: Breastfeeding Assessment. J Midwifery & Women’s Health. 2007;52(6):638-642.

4 Colson SD et al. Optimal positions for the release of primitive neonatal reflexes stimulating breastfeeding. Early Hum Dev. 2008;84(7):441-449.

5 Jacobs A et al. S3-guidelines for the treatment of inflammatory breast disease during the lactation period. Geburtshilfe Frauenheilkd. 2013;73(12):1202-1208.

6 Amir LH. Academy of Breastfeeding Medicine Protocol Committee. ABM clinical protocol# 4: Mastitis, revised March 2014. Breastfeed Med. 2014;9(5):239-243.

7 Academy of Breastfeeding Medicine Protocol Committee. ABM clinical protocol# 20: Engorgement. Breastfeed Med. 2009;4(2):111-113.

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