Abstillen: Wann und wie du mit dem Stillen aufhören solltest

Wann ist der richtige Zeitpunkt, dein Baby abzustillen, und wie solltest du dabei am besten vorgehen? Jetzt weiterlesen und viele praktische Tipps zum Abstillen bekommen

Weaning - how and when to stop breastfeeding

Wenn sich eure Stillbeziehung eingespielt hat, wie lange solltest du weiterstillen? Drei Monate? Sechs Monate? Ein Jahr? Oder sogar mehrere Jahre?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und andere Gesundheitsbehörden empfehlen, Babys in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich mit Muttermilch zu ernähren und ihnen mindestens bis zum Alter von zwei Jahren neben anderen Nahrungsmitteln – der sogenannten Beikost – auch weiterhin Muttermilch zu geben.1

Denn Muttermilch ist mehr als nur Nahrung. Muttermilch ist ein natürlicher Trostspender, wenn dein Kind Angst hat oder müde ist, und enthält außerdem immunfördernde Inhaltsstoffe, die stark ansteigen, wenn dein Baby krank ist.2

Anthropologen schätzen, dass das natürliche Abstillalter bei Menschen sogar höher liegt als bei zwei Jahren. Wenn man sich Faktoren wie die Zahnentwicklung und das Körpergewicht ansieht und diese mit anderen Primaten und historischen Belegen vergleicht, sind manche Forscher der Meinung, dass es zwei bis vier Jahre sein könnten, während andere glauben, dass unsere Vorfahren möglicherweise sogar bis zum Alter von sechs oder sieben Jahren gestillt wurden.3

Heute geben mehr als 60 % der Mütter in Industrieländern ihren Babys vor dem Alter von sechs Monaten Säuglingsnahrung oder Beikost,4 obwohl die WHO davon abrät. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mein Baby abzustillen?

Abstillen beschreibt den Prozess, wenn du aufhörst, dein Baby mit Muttermilch zu ernähren. Idealerweise ist der erste Schritt beim Abstillen, deinem Baby nach etwa sechs Monaten neben deiner Muttermilch langsam Beikost zu geben. Der Abstillprozess setzt sich dann fort, bis die Muttermilch vollständig durch andere Lebensmittel und Getränke ersetzt wurde.

„Nach sechs Monaten braucht dein Baby größere Mengen bestimmter Nährstoffe – wie Eisen, Zink und Vitamin B und D –, die es nicht über deine Muttermilch oder seine eigenen Reserven erhalten kann“, erklärt die Gesundheitsbeauftragte und Krankenschwester Sarah Beeson aus Großbritannien.

„Aber feste Nahrung kann die Milchmahlzeiten deines Babys am Anfang nur ergänzen und erst nach und nach ersetzen. Muttermilch bleibt noch für viele Monate seine Hauptnährstoffquelle.“

Ein typisches sieben Monate altes Baby erhält immer noch 93 % seiner Kalorien aus der Milch. Sogar im Alter von 11 bis 16 Monaten kann Milch immer noch die Hälfte der täglichen Kalorienaufnahme ausmachen.5

„Mütter denken manchmal, dass Muttermilch nicht mehr wichtig ist, sobald ihr Baby begonnen hat, feste Nahrung zu essen, aber genau genommen gibt es keine bessere Milch für Babys, egal wie alt sie sind“, erklärt Sarah.

Tatsächlich kann der gesamte Abstillprozess so lange dauern, wie Mutter und Baby es möchten: „Wann du mit dem Stillen aufhören möchtest, ist deine Entscheidung“, sagt Sarah. „Fühle dich davon, was Freunde machen oder was Familienmitglieder oder gar Fremde sagen, nicht unter Druck gesetzt. Alles was zählt, ist, dass es sich für dich und dein Baby richtig anfühlt.“

Wie stillt man ab?

Unabhängig davon, wann du dich entscheidest, dein Kind abzustillen, solltest du es am besten schrittweise tun. Plötzliches Abstillen kann zu einer Brustdrüsenschwellung, blockierten Milchkanälen oder einer Mastitis führen sowie eine zu abrupte Veränderung für das Verdauungs- und Immunsystem deines Babys bedeuten. Außerdem kann es für euch beide emotional schwer sein.

Muss ich mit dem Stillen aufhören?

Manchmal glauben Mütter fälschlicherweise, dass sie mit dem Stillen aufhören müssen – aber das stimmt nicht. Wenn du in deinen Beruf zurückkehrst, kann Stillen eine großartige Möglichkeit sein, um deinem Kind während dieser großen Veränderung in eurem Leben weiterhin viel Nähe zu schenken. Du kannst Milch für dein Baby bei der Arbeit abpumpen und morgens und abends weiterhin besondere Stillmomente mit deinem Baby genießen. Wenn du ohne dein Baby verreisen musst, kannst du Muttermilch abpumpen und sie mit nach Hause nehmen oder per Post schicken.

Falls du krank wirst, heißt das auch nicht immer, dass du mit dem Stillen aufhören musst – lies unsere Ratschläge zum Stillen bei Krankheit und wende dich immer an deinen Arzt.

Abstillen vor dem sechsten Monat

Wenn du nicht bis zum sechsten Monat weiterstillen kannst und von dir aus mit dem Abstillen beginnen möchtest, ersetze zuerst eine Stillmahlzeit am Tag durch eine Flasche Säuglingsnahrung.

„Am besten beginnst du mit der Stillmahlzeit um die Mittagszeit. Babys sind erstaunlich und können den Geruch der Milch ihrer Mutter riechen, wenn sie in der Nähe ist. Bitte daher deinen Partner oder ein Familienmitglied, deinem Baby die Flasche zu geben, während du in einem anderen Raum bist“, erklärt Sarah.

„Achte bei der Zubereitung der Nahrungsmittel auf gute Hygiene. Es kann sein, dass dein Baby weniger häufig pro Tag abgepumpte Muttermilch trinken möchte, als es normalerweise an der Brust gestillt werden will. Zwinge es nicht, mehr Milch zu trinken, als es möchte.“

Deine Brüste fühlen sich wahrscheinlich voller und empfindlicher an, während sich dein Körper darauf einstellt, weniger Milch zu produzieren. Falls das unangenehm wird, versuche, etwas Muttermilch abzupumpen – nur so viel, um deine Beschwerden zu lindern, ohne deinen Körper anzuregen, mehr Milch zu bilden.

Sobald sich dein Körper an diese neue Menge gewöhnt hat – normalerweise nach ein paar Tagen –, kannst du täglich eine weitere Stillmahlzeit weglassen. Das wiederholst du so lange, bis du nicht mehr stillst und dein Baby vollständig abgestillt ist.

„Bei mir gab es nach der Geburt Komplikationen, durch die ich sehr schnell sehr viel Gewicht verloren habe, außerdem litt ich an einer Mastitis. Meine Milchproduktion war niedrig, und nach drei Monaten musste ich aufhören“, erzählt Jennifer, Mutter von zwei Kindern, aus Großbritannien. „Ich ersetzte eine Stillmahlzeit nach der anderen, also war es für mich körperlich kein großes Problem, aber emotional fiel es mir sehr schwer.“

Wenn du die Intimität und gesundheitlichen Vorteile des Stillens beibehalten möchtest, aber gezwungen bist, weniger zu stillen, versuche es mit teilweisem Abstillen, wobei nur einige Stillmahlzeiten durch Säuglingsnahrung ersetzt werden.

Abstillen nach dem sechsten Monat

Sobald dein Baby ungefähr im Alter von sechs Monaten feste Nahrung erhält, wirst du merken, dass es mit der Zeit ganz natürlich weniger häufig an der Brust trinkt. Innerhalb von einem Jahr möchte es wahrscheinlich nur noch ein paar Stillmahlzeiten am Tag, ergänzt durch Mahlzeiten und gesunde Snacks.

Falls du das jedoch noch weiter reduzieren möchtest, mache dies nach und nach, indem du nur eine Stillmahlzeit auf einmal weglässt und deinem Baby stattdessen Säuglingsnahrung gibst, falls es jünger als 12 Monate ist. Mit Kuhmilch solltest du warten, bis dein Baby mindestens ein Jahr alt ist.

„Ich habe meinen Sohn noch dreimal am Tag gestillt, und er bekam drei Mahlzeiten und Snacks zwischendurch, als ich mich entschied, ihn abzustillen. Ich habe jede Stillmahlzeit nach und nach durch eine Flasche Säuglingsnahrung ersetzt – mit dem Stillen am Abend habe ich bis zuletzt gewartet, als er 11 Monate alt war,“ sagt Ruth, Mutter eines Kindes, aus Großbritannien. „Weil ich mir Zeit gelassen habe, hatte ich keine Probleme. Meine Brüste haben sich nur ein paar Tage lang etwas voller angefühlt.“

Es gibt mehrere Möglichkeiten, dein Kind von der Änderung seiner Ernährungsgewohnheiten abzulenken. Manche Mütter bieten stattdessen ein Getränk und einen Snack an, den ihr zusammen essen könnt, um trotzdem Nähe zu schaffen. Du könntest außerdem euren Tagesablauf ändern, das Lieblingsspiel spielen oder eine Mahlzeit durch Kuschelzeit mit dir oder deinem Partner ersetzen.  Manche Kinder brauchen länger als andere, um mit der Veränderung umzugehen, aber mit der Zeit wird es einfacher. Falls du Probleme beim Abstillen hast, ist es immer hilfreich, dich an deinen Arzt zu wenden.

Natürliches Abstillen mit der Zeit

Wenn du dein Kleinkind entscheiden lässt, wann es mit dem Stillen aufhören möchte (sogenanntes „baby-led weaning“ oder natürlich endendes Stillen), ist der Abstillprozess wahrscheinlich langsam und passiert nur allmählich. Über mehrere Monate werden die Stillmahlzeiten voraussichtlich kürzer und seltener – es gibt aber auch Berichte von Müttern, deren Kinder einfach eines Tages das Interesse verloren haben.

„Meine Tochter hat sich mit vier Jahren selbst abgestillt“, sagt Sarah, Mutter eines Kindes, aus Großbritannien. „Sie hat nach und nach immer weniger Milch getrunken, mit dreieinhalb Jahren kaum noch etwas. Dann hat sie es scheinbar vergessen, als wir im Urlaub waren. Jetzt, sechs Monate später, möchte sie manchmal an die Brust, weiß aber, dass keine Milch mehr kommt.“

Dein Körper hat so genügend Zeit, sich anzupassen, deshalb tritt bei dir wahrscheinlich keine unangenehme Brustdrüsenschwellung auf. Trotzdem ist es wahrscheinlich emotional schwer für dich, nimm dir also genug Zeit für ausgiebiges Kuscheln, damit ihr beide weiterhin viel Nähe spürt.

„Mein Baby entscheiden zu lassen, war für mich genau richtig, da mein Sohn nie Säuglingsnahrung oder eine Flasche bekommen hat. Ich wollte nicht plötzlich aufhören und ihn abweisen“, meint Kelly, Mutter eines Kindes, aus Großbritannien. „Mit zweieinhalb Jahren hat er das Interesse verloren. Das war der bestmögliche Ablauf für uns, obwohl es schon sehr emotional für mich war.“

Was ist, wenn ich schnell Abstillen muss?

Obwohl es am besten ist, nicht abrupt abzustillen, ist dies manchmal aus gesundheitlichen Gründen nötig oder weil du und dein Baby nicht zusammen sein könnt.

Falls dein Baby bis zu diesem Zeitpunkt gestillt wurde, musst du sehr wahrscheinlich Milch abpumpen, um eine unangenehme Brustdrüsenschwellung zu vermeiden. Manche Frauen finden eine Milchpumpe dafür am praktischsten, während andere lieber per Hand ausstreichen. Denke daran, nur so viel abzupumpen, um etwaige Beschwerden zu lindern – du willst deinen Körper nicht dazu anregen, mehr Milch zu produzieren.

Obwohl sich deine Brüste zu Beginn geschwollen und empfindlich anfühlen können, passen sie sich bald an. Deine Brüste enthalten ein Protein namens Feedback Inhibitor of Lactation (FIL). Wenn dein Baby nicht mehr gestillt wird, meldet FIL an deinen Körper, die Produktion einzustellen, aber es kann ein paar Tage oder sogar Wochen dauern, bis sich deine Brüste vollständig angepasst haben.

Die Einnahme von Paracetamol oder Ibuprofen kann dabei helfen, die Schmerzen zu lindern (obwohl Ibuprofen bei Asthma-Patienten kontraindiziert ist). Befolge immer die Anweisungen des Herstellers und des Apothekers und wende dich bei der Einnahme von Medikamenten immer an einen Arzt.

„Ich musste plötzlich mit dem Stillen aufhören, als meine Tochter acht Monate alt war, da ich sehr starke Schmerzmittel nehmen musste“, erzählt Peggy, Mutter eines Kindes, aus der Schweiz. „Das war sehr schwer für mich – sie suchte immer wieder meine Brust und weinte. Ich hielt sie tröstend im Arm, während ich ihr die Flasche gab. Nach einem Monat war es dann okay für sie.“

Kann ich weiter stillen, wenn ich wieder schwanger werden möchte?

Obwohl Stillen ein natürliches Verhütungsmittel ist, ist es nicht absolut sicher. Außerdem ist es nach sechs Monaten wahrscheinlich nicht mehr wirksam und auch dann nicht, wenn du nicht ausschließlich stillst. Das heißt, du könntest wieder schwanger werden, auch wenn du dein Kind noch stillst.

Schwangere stillende Mütter erhalten manchmal widersprüchliche Ratschläge zum Abstillen. Das sogenannte Tandemstillen von zwei Kindern mit unterschiedlichem Alter ist durchaus möglich, und wenn dein neues Baby zur Welt kommt, bildet dein Körper Milch, die auf beide Bedürfnisse abgestimmt ist.

Bei manchen Müttern hört das ältere Kind während der Schwangerschaft ganz natürlich mit dem Stillen auf oder lässt bestimmte Mahlzeiten aus. Das kann daran liegen, dass sich die Zusammensetzung deiner Muttermilch in der Schwangerschaft verändert, wodurch sie anders und weniger süß schmeckt.6 Falls dein gestilltes Kind jünger als ein Jahr alt ist, wenn es abgestillt wird, achte darauf, ob es weiterhin zunimmt.

Falls du bereits eine Frühgeburt oder eine Fehlgeburt hattest oder unter Blutungen leidest, solltest du dich an deinen Arzt wenden, wenn du während der Schwangerschaft weiterhin stillen möchtest.

Falls du medizinische Unterstützung benötigst, um schwanger zu werden, kann es sein, dass die Ärzte bestimmte Fruchtbarkeitsmedikamente oder -behandlungen nicht verschreiben, wenn du noch stillst. Wäge alle Optionen ab, bevor du eine Entscheidung zum Abstillen triffst.

Ein abschließendes Wort zum Abstillen

Unabhängig davon, wo und wie du abstillst, sei nachsichtig mit dir und deinem Baby. Es ist eine große körperliche, hormonelle und emotionale Umstellung für euch beide, führe sie daher mit Bedacht und Sorgfalt durch.

„Obwohl mein Körper gut mit dem Abstillen klar kam, war ich sehr emotional. Es war etwas, das wir so lange geteilt hatten, und nun war es zu Ende“, sagt Jane, Mutter von zwei Kindern, aus den USA. „Ich arbeitete sehr viel, fünf Tage die Woche, und das Stillen gab mir das Gefühl, in ihrem Leben eine sehr wichtige Rolle zu spielen. Aber als es vorbei war, fanden wir bald andere Möglichkeiten, um Nähe aufzubauen.“

Literaturhinweise

1 World Health Organisation. [Internet] Health Topics: Breastfeeding: 2018 [Accessed: 08.02.2018]. Available from: http://www.who.int/topics/breastfeeding/en

2 Hassiotou et al. Maternal and infant infections stimulate a rapid leukocyte response in breastmilk. Clin Transl Immunology. 2013;2(4):e3.

3 Dettwyler KA. When to wean: biological versus cultural perspectives. Clin Obstet Gynecol. 2004; 47(3)712-723.

4 Victora CG et al. Breastfeeding in the 21st century: epidemiology, mechanisms, and lifelong effect. Lancet. 2016;387(10017):475-490.

5 Dewey KG et al. Breast milk volume and composition during late lactation (7-20 months). J Pediatr Gastroenterol Nutr. 1984;3(5):713-720.

6 Prosser CG et al. Mammary gland function during gradual weaning and early gestation in women. Aust J Exp Biol Med Sci. 1984;62(Pt 2):215-228.