Wie oft sollte gestillt werden?

Viele frisch gebackene Mütter stellen sich die Frage, ob sich Ihr Kind normal entwickelt und sich ihre Stillleistung im Normbereich befindet. Die Wahrheit ist jedoch, dass jedes Baby – und jede Mutter – anders ist.
Effizienz

Forschungsergebnisse

Die führende Laktationsforscherin Dr. Jacqueline Kent von der University of Western Australia hat in ihren jüngsten Forschungen die Grenzen des normalen Stillens untersucht. Dr. Kent kommt zum Schluss, dass es keine Norm für das Stillen gibt. Es dauert ein paar Wochen, bis sich die Milchproduktion eingependelt hat. Sie sollten sich daher nicht zu viele Sorgen machen, wenn die Milchproduktion in den ersten Wochen niedrig erscheint.

Lesen Sie weiter und beruhigen Sie sich. Anstatt sich zu fragen, ob Ihre Stillleistung besser oder schlechter ist als der Durchschnitt, schauen Sie sich lieber die interessanten Fakten zum Stillen an, um die Bandbreite des «Normalen» zu erfassen.

Laden Sie sich die praktische Infografik «Was ist beim Stillen normal» herunter (PDF, 96 KB).

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So etwas wie «zu oft» oder «zu lange» gibt es praktisch nicht.

Viele frisch gebackene Mütter sind vom unersättlichen Appetit ihres Kleinen überrascht. Dr. Kent sagt, dass es für Babys nicht ungewöhnlich ist, mit überraschender Häufigkeit und Dauer zu stillen. Laut ihrer Studie stillten Babys zwischen 4 und 13 Mal pro Tag. Die Dauer einer Stillsitzung reichte dabei von 12 bis 67 Minuten.

Ob Ihr Kind also häufig zu kurzen und intensiven Stillmahlzeiten angelegt wird oder weniger, aber dafür längere Mahlzeiten bevorzugt – beide Extreme und alles dazwischen ist «normal», solange das Baby gut gedeiht und an Gewicht zulegt.

Effizienz

Babys sind effiziente Nahrungsaufnehmer

Manchmal hat es den Anschein, als ob Ihr Baby nicht genug Milch zu sich nimmt. Aber sein kleiner Mund ist viel effizienter, als man denkt. Es nimmt so viel zu sich, wie es braucht, solange es etwas gibt. Bitte vergessen Sie nicht, dass die Milchproduktion der Mutter sich an die Bedürfnisse des Babys anpasst und nicht andersherum. In den ersten Wochen benötigt ein Baby nicht viel Milch, um seinen eher kleinen Magen zu füllen.

Die während einer Stillsitzung aufgenommene Milch beträgt im Normalfall zwischen 54 und 234 ml. Ihre Brust wird in einer Sitzung nie komplett entleert. Machen Sie sich also keine Sorgen, dass Ihr Baby nicht genug zu trinken bekommt. Bei einem Abpumpen nach dem Stillen sollten Sie also nicht überrascht sein, wenn Sie noch etwas Milch herausbekommen.

Die Bedürfnisse des Babys bestimmen die Milchproduktion. Es braucht Zeit, diese anzupassen und die Milchbildung zu erhöhen, so dass Sie mehr Milch abnehmen können, als das Baby aufnehmen muss. Wenn Ihr Baby ständig trinkt und unersättlich ist und Sie den Eindruck haben, dass Sie niemals die Gelegenheit erhalten, vom Stuhl aufzustehen oder etwas anders zu machen, dann seien Sie beruhigt: Wenn die Säuglinge älter werden, werden ihre Mahlzeiten kürzer und seltener, auch wenn sie noch dieselbe Menge Milch zu sich nehmen.

Erzwingen Sie nicht beide Brüste

Viele Mütter fragen sich, ob ihr Baby an beiden Brüsten gleichermassen gestillt werden sollte. In Wahrheit haben viele Babys eine individuelle Präferenz. Laut Dr. Kent nehmen 30 Prozent der Babys pro Stillsitzung immer nur eine Brust, 13 Prozent nehmen immer beide Brüste und 57 Prozent wechseln gerne ab. Überlassen Sie die Wahl Ihrem Baby und denken Sie nicht, dass Sie das Baby «zwingen» müssen, von beiden Brüsten zu trinken.

Aufgrund dieser Präferenz werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass eine Brust zu mehr Milchbildung neigt als die andere. Für stillende Mütter «schliesst die Küche nie». Studien zufolge müssen 64 Prozent der Babys Tag und Nacht gestillt werden, während nur 36 Prozent der Säuglinge zwischen 10 Uhr abends und 4 Uhr morgens keine Nahrung benötigen.

Was ist normal?

Jungen und andere Faktoren

Ein erstaunliches Ergebnis aus Dr. Kents Studie ist, dass Jungen etwa 76 ml mehr Muttermilch pro Tag trinken als Mädchen. Die Bandbreite des «Normalen» ist dennoch für Jungen wie für Mädchen sehr breit: zwischen 478 ml und 1356 ml pro Tag.

Weitere wichtige Faktoren, die die erforderliche Milchmenge beeinflussen, sind das Alter, der Stoffwechsel und die Gene Ihres Babys. Sie sollten nicht erwarten, dass Ihr Baby so viel Milch braucht wie ein Baby von Olympioniken. Ausschliessen kann man es jedoch nicht ...

Die Bandbreite des «Normalen»

Sie können also beruhigt sein: Wie Ihr Baby auch gestillt werden möchte, es liegt alles im Bereich des Normalen, solange das Baby gesund ist und sich im Rahmen der empfohlenen Wachstumsrichtwerte entwickelt.

Ein gesund aussehendes, munteres Baby mit guter Muskelspannung und elastischer Haut, das mindestens sechs bis acht nasse Windeln pro Tag produziert, ist ein gutes Indiz für eine angemessene Milchaufnahme. Wenn Sie sich jedoch nicht sicher sind oder Ihre Intuition Ihnen sagt, dass etwas nicht stimmt, sprechen Sie mit einem Arzt.

Die meisten Mütter und Babys, die bei guter Gesundheit sind, können beim Stillen eine breite Palette an Erfahrungen, Herausforderungen und tollen Momenten der täglichen Bindung erleben – letztendlich ist das alles «normal» und natürlich.

 

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